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Expertenrunde zur Fachoberschule Polizei: Die wichtigsten Fragen und Antworten

FOS Polizei Expertenrunde
Expertenrunde zur Fachoberschule Polizei: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Mit mittlerem Schulabschluss zur Polizei? Das geht jetzt mit der Fachoberschule Polizei. Die Nachfrage ist groß. Das zeigte eine Online-Expertenrunde, in der Interessierte ihre offenen Fragen stellen konnten. Wir geben einen Überblick.
Mario Bartlewski, LAFP NRW

Wer einen mittleren Bildungsabschluss hat, kann sich ab Juni 2021 für die „Fachoberschule Polizei“ bewerben. Ab nächstem Schuljahr erproben das Ministerium für Schule und Bildung und das Ministerium des Innern den neuen Bildungsgang. Diesen sowie die teilnehmenden Berufskollegs und weitere Hintergründe haben Schulministerin Yvonne Gebauer und Innenminister Herbert Reul am Donnerstag, 22. April, in einer Pressekonferenz vorgestellt. 

Es war der offizielle Startschuss für die Fachoberschule Polizei, denn schon zwei Tage später hatten Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und viele Interessierte die Möglichkeit, in der Next-Level-Expertenrunde, die zur Reduzierung der Netzlast gleich mehrmals bzw. stündlich durchgeführt wurde, ihre offenen Fragen online zu stellen – organisiert von der zuständigen Landesoberbehörde, dem Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) der Polizei NRW sowie dem Max-Weber-Berufskolleg in Düsseldorf. 

Moderiert von LAFP NRW-Pressesprecher und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Victor Ocansey haben Barbara Stieldorf und Stefan Wagner (Max-Weber-Berufskolleg), Jörg Jansen sowie Serdal Yildirim (Polizeipräsidium Köln) als auch Frank Menger (LAFP NRW) den zahlreichen Teilnehmenden der Videokonferenz Antworten geliefert. 

Diese Experten waren bei der Next-Level-Expertenrunde zum Thema Fachoberschule Polizei dabei

Frank Menger ist beim LAFP NRW unter anderem für die landeszentrale Personalwerbung und die Personalauswahlverfahren der Polizei in NRW verantwortlich. Er war mit Blick darauf von Anbeginn Mitglied in der erweiterten gemeinsamen Steuerungsgruppe des Innen- und Schulministeriums zum neuen Projekt „FOS Polizei“.  

Auch Jörg Jansen sowie Serdal Yildrim vom Polizeipräsidium Köln waren Teil der Gesprächsrunde. Beide gehören dort der dortigen Ausbildungsleitung an, die sich um rund 1000 Kommissaranwärterinnen und -anwärter im Rheinland kümmert. Beide sind nun auch für die Schülerpraktika des Schulversuchs verantwortlich. 

Barbara Stieldorf sowie Stefan Wagner vom Max-Weber-Berufskolleg in Düsseldorf trugen in ihrer Funktion als Lehrende und Konzeptionierende ebenfalls zur Klärung vieler Fragen bei. Beide sind an der Implementierung der zukünftigen Schulfächer maßgeblich involviert. Gerade Stefan Wagner als Volljurist arbeitet an der Erstellung der neuen Lehrpläne mit und wird auch als Ansprechpartner fungieren. 

Großes Interesse an der Expertenrunde 

Besonders die zahlreichen Fragen der Zuschauerinnen und Zuschauer, die live von zu Hause aus per Chatfunktion der Online-Plattform gestellt werden konnten und durch die Co-Moderatorin und Leiterin der landeszentralen Personalwerbung beim LAFP NRW, Jasmin Dunkhorst, in die Talk-Runde eingebracht wurden, machten das hohe Interesse in der Bevölkerung deutlich.

Auch Jörg Pannhorst von der landeszentralen Personalwerbung hatte währenddessen „in der Regie“ so allerhand zu tun. Keine Frage sollte unbeantwortet bleiben, so dass die Fragestellungen, die es nicht in die Talk-Runde schafften, dennoch zeitnah beantwortet wurden.

Viele Informationen für Zuschauerinnen und Zuschauer 

„Das war viel Arbeit für alle Beteiligten – konzeptionell und organisatorisch. Die Vorbereitung der Pressekonferenz am Donnerstag in Düsseldorf und die des stündlichen Online-Talks am Samstagvormittag machten viele Abstimmungen erforderlich, gerade auch mit Blick auf die strikte Einhaltung von Infektionsschutzmaßnahmen und dergleichen“ sagte Victor Ocansey am Samstag.

„Wir hatten bei der Online-Veranstaltung zunächst Sorge, dass uns technische Probleme wie Netzlasten usw. einen Strich durch die Planung machen könnten, aber am Ende lief erfreulicherweise alles glatt und unsere zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer hatten beim Rausklicken ganz sicher eine Menge Informationen im Gepäck bzw. auf dem Notizzettel und genau so sollte es sein.“    

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Fachoberschule Polizei

Auch wenn Sie nicht an der Next-Level-Expertenrunde am 24. April teilnehmen konnten, verpassen Sie nichts. Wir fassen die wichtigsten Fragen und Antworten hier zusammen:

Was ist die Fachoberschule Polizei?

Die Fachoberschule Polizei ist ein ganz neuer Weg zur Polizei ab August 2022. Schülerinnen und Schüler, die die zehnte Klasse mit mittlerem Bildungsabschluss oder der Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe abschließen, können im Anschluss an einem von elf Berufskollegs in NRW den Bildungsgang Fachoberschule für Wirtschaft und Verwaltung, Schwerpunkt Polizeivollzugsdienst belegen. Kurz: Fachoberschule Polizei.

Schülerinnen und Schüler erlernen in dem zweijährigen Bildungsgang polizeispezifische Kenntnisse – zum Beispiel in Recht und Staatslehre. Gleichzeitig sichern sie sich eine vorbehaltliche Einstellungszusage für die Polizei NRW und damit für das anschließende Bachelorstudium an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung. Voraussetzung ist, dass sie den Abschluss erfolgreich absolvieren und die beamtenrechtlichen Voraussetzungen weiterhin erfüllen. Die zweigeteilte Laufbahn bleibt bei der Polizei NRW also weiterhin erhalten. Weitere Informationen zur Fachoberschule Polizei gibt ein Erklärvideo.

Was ist der Vorteil des neuen Angebots?

11.846 junge Frauen und Männer haben sich für das Einstellungsjahr 2021 auf ein duales Studium bei der Polizei NRW beworben – mehr als jemals zuvor. Nun erhalten noch mehr Interessierte die Möglichkeit dazu. Schülerinnen und Schüler können sich auf ein praxisorientiertes Fachabitur freuen und sich gleichzeitig schon jetzt einen Studienplatz und einen nahtlosen Übergang in den Polizeiberuf sichern. Wer hingegen während der Fachoberschule Polizei bemerkt, dass er oder sie doch nicht zur Polizei möchte, kann sich später auch anders entscheiden. Das Fachabitur gilt nicht nur bei der Polizei.

Welche Berufskollegs bieten die Fachoberschule Polizei an?

An elf Berufskollegs können Schülerinnen und Schüler die Fachhochschulreife erlangen und ein Praxis-Jahr bei der Polizei absolvieren:

  • Konrad-Klepping-Berufskolleg in Dortmund
  • Klaus-Steilmann-Berufskolleg in Bochum
  • Rudolf-Rempel-Berufskolleg in Bielefeld
  • Max-Weber-Berufskolleg in Düsseldorf
  • Kaufmännisches Berufskolleg Walther Rathenau in Duisburg
  • Berufskolleg an der Lindenstraße in Köln
  • Ludwig-Erhard-Berufskolleg in Bonn
  • Berufskolleg Kaufmännische Schulen des Kreises Düren
  • Hansa-Berufskolleg in Münster
  • Kuniberg Berufskolleg in Recklinghausen 
  • Berufskolleg Königstraße in Gelsenkirchen
Welche Voraussetzungen sind nötig für die Fachoberschule Polizei?

Der neue Bildungsgang richtet sich an Absolventinnen und Absolventen, die einen mittleren Schulabschluss oder die Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe erreicht haben. Gleichzeitig dürfen sie am 1. September des beginnenden Schuljahres das 35. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Zusätzlich müssen die Interessierten das Auswahlverfahren bei der Polizei NRW bestehen und sich erfolgreich bei einem entsprechenden Berufskolleg beworben und angemeldet haben. Die Bewerbung um einen Praktikumsplatz erfolgt zentral beim Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW (LAFP NRW) und ist ab dem 1. Juni 2021 möglich.

In welchem Zeitraum können sich interessierte Schülerinnen und Schüler bewerben?

Vom 1. Juni bis zum 8. Oktober 2021 können sich Interessierte im Internet für den Bildungsgang Fachoberschule Polizei bewerben. Das Schuljahr startet am 1. August 2022. Spätestens dann muss der mittlere Bildungsabschluss vorliegen. 

Wie läuft das Auswahlverfahren ab?

Im Auswahlverfahren wird geprüft, ob Bewerbende alle wichtigen Fähigkeiten mitbringen, die sie für den Polizeiberuf brauchen. Gedächtnisleistung, Analyse-, Lern- und Kommunikationsfähigkeit werden genauso überprüft wie wichtige charakterliche Kompetenzen und die medizinische Tauglichkeit für den Polizeidienst. Die erfolgreichsten Bewerberinnen und Bewerber der jeweiligen Berufskollegs können sich im Anschluss auf die Teilnahme an der Fachoberschule Polizei freuen.

Wie viele Plätze gibt es für die Fachoberschule Polizei?

Etwa 300 Plätze stehen zum Schuljahr 2022/23 bereit. 

Wie sieht der zukünftige Unterrichtsalltag aus?

In der 11. Klasse ist ein einjähriges Praktikum in einer Kreispolizeibehörde vorgesehen. Drei Tage pro Woche verbringen die Schülerinnen und Schüler dabei im Praktikum, die anderen beiden Tage im Berufskolleg. Neben dem Wach- und Wechseldienst im Streifenwagen und Einblicken in die kriminalpolizeiliche Ermittlungsarbeit hält das Praktikum ein breit gefächertes Angebot weiterer Pflicht- und Wahlpflichtmodule bereit. Die Verwaltungsbereiche der Polizei stehen ebenso auf dem Stundenplan wie Trainingseinheiten vor Ort in der Fortbildungsstelle der jeweiligen Praktikumsbehörde und in den Bildungszentren des LAFP NRW.

Die Klasse 12 besteht ausschließlich aus Unterricht am Berufskolleg und schließt mit der Fachhochschulreifeprüfung ab. In die Unterrichtsarbeit werden auch Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte eingebunden. Neben polizeispezifischen Unterrichtsfächern wie Recht und Staatslehre stehen auch Fächer wie Mathe, Englisch, Sport, Verwaltungsbetriebswirtschaft und Verwaltungsinformatik auf dem Stundenplan.

Erhalten die Schülerinnen und Schüler ein Gehalt oder eine andere finanzielle Leistung von der Polizei für die Teilnahme an dieser Ausbildungsform?

Nein. Während der zwei Jahre der Fachoberschule Polizei erhalten Schülerinnen und Schüler keine Vergütung. Dafür erhalten sie eine klare Perspektive. Schließen sie die Fachoberschule Polizei erfolgreich ab und erfüllen weiterhin die beamtenrechtlichen Voraussetzungen, sichern sie sich den Zugang zum dualen Bachelor-Studium. Hier erfolgt dann eine Besoldung.

Bekommen die Praktikantinnen und Praktikanten für die Praktikumszeit eine Uniform und eine Schutzausstattung wie „echte“ Polizistinnen und Polizisten?

Eine Uniform erhalten die Praktikantinnen und Praktikanten nicht. Zur Erkennbarkeit nach innen und außen tragen die Praktikantinnen und Praktikanten Leibchen oder Warnwesten. Erst mit dem Einstieg in das duale Bachelor-Studium bei der Polizei NRW dürfen sie eine Uniform tragen. Eine ballistische Schussweste wird hingegen zum Schutz für alle Praktikantinnen und Praktikanten zur Verfügung stehen.

Wie geht es nach dem erfolgreichen Abschluss weiter?

Mit dem erfolgreichen Abschluss sind die Absolventinnen und Absolventen zwar noch nicht Polizistin oder Polizist, kommen ihrem Ziel aber schon einen großen Schritt näher. Erfüllen sie die charakterlichen und medizinischen Anforderungen nach wie vor und können alle noch beizubringenden Unterlagen vorlegen, können sie ihr duales Bachelor-Studium zeitnah starten. Sobald sie das Studium Polizeivollzugsdienst beginnen, sind sie automatisch Kommissaranwärterinnen und Kommissaranwärter.


Weitere Informationen zur Fachoberschule Polizei finden Sie auf der dafür eingerichteten Themenseite.

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